50-jähriges Jubiläum von Cura e.V.


Am 24.10.01 konnten wir unser Jubiläum feiern. Für alle Interessierten veröffentlichen wir an dieser Stelle die Rede "Cura - Rückblick und Ausblick" des 2. Vorsitzenden, Herrn Joachim Liedmeier.

Sehr geehrte Damen und Herren,

über 50 Jahre Cura e.V. in Osnabrück, ein guter Grund zurückzuschauen, über die Gegenwart zu berichten und den Blick in die Zukunft zu wagen.
Was verbirgt sich hinter dem Begriff Cura?
Ohne Lateinkenntnisse kommt man da so recht nicht weiter.
Erst ein Blick in die Gründungszeit des Vereins gibt erste Erklärungshinweise für die spätere Namensgebung.
Ende des Jahres 1950 fassten sozial engagierte Bürger in Osnabrück den Beschluss, einen Verein zu gründen, der sich straffällig gewordener Menschen annimmt. Hierbei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Verein fast 300 Mitglieder umfasste und fast alle wichtigen Institutionen, wie Kirchen, caritative Verbände, Stadt u. Landkreis, sowie bedeutende Unternehmen sich an der Förderung dieses gem.Vereines beteiligten.
Im Jahr 1951 wurde dann der "Gefangenenfürsorgeverein" ins Vereinregister aufgenommen und der damalige Landgerichtsdirektor Felgenhauer zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Dies geschah schon einige Jahre bevor die Institution Bewährungshilfe im Bereich der ambulanten Straffälligenhilfe 1953 gesetzlich verankert wurde.
In den darauffolgenden Jahren verfolgte der Verein neben der Gewährung von Sachmittelunterstützung für bedürftige Straffällige das Ziel, ein Jugendwohnheim für straffällige und nicht vorbestrafte junge Erwachsene bis zum Alter von 24 Jahren zu errichten. 1956 konnten diese Pläne schließlich realisiert werden. An der Ernst-Sievers Straße in OS wurde ein Haus erworben. Dort waren bis zu 31 Personen untergebracht.. Zitat aus den Aufnahmebedingungen: "Die Zuweisung erfolgt im allgemeinen durch Bewährungshelfer und Fürsorger. Gewaltverbrecher werden nicht aufgenommen".
Dennoch gab es während der Zeit Proteste in der Nachbarschaft und der sich in der Nähe befindlichen Schule. Hinzu kamen finanzielle Probleme, sowie das Fehlen qualifizierter Heimleitungen (Begründung lt. Protokoll in der Mitgliederversammlung: langer Arbeitstag, geringe Bezahlung) - Probleme die auch heute an Aktualität nicht verloren haben.
Im Jahr 1960 wurde die Einrichtung geschlossen, das Haus verkauft und aus dem Erlös das jetzige im Besitz der CURA befindliche Objekt "Am Schlosswall 6 " erworben.

Bereits 1959 wurde im Rahmen einer Satzungsänderung auch der Verein in CURA e.V. umbenannt, was, wenn ich dies als "des Lateinischen nicht Mächtigen", mit den Begriffen wie Sorge, Pflege, Fürsorge, in Obhut nehmen, richtig übersetzt habe.

Wahrscheinlich hatten die Namensgeber erkannt, dass viele andere auch mit dem Begriff allein nichts anzufangen wissen und versahen ihn deshalb mit dem Zusatz "Verein für die Betreuung Straffälliger im Landgerichtsbezirk Osnabrück".
In diesem Haus hatte von da an neben der CURA auch die Bewährungshilfe ihren Sitz.

In den folgenden Jahren verzichtete der Verein auf eigene soziale Projekte und
konzentrierte sich im wesentlichen auf die Betreuung Straffälliger und ihrer Angehörigen sowie die Gewährung wirtschaftliche Hilfen.
Hierzu zählen im einzelnen:

- finanzielle Unterstützung des Klientels der Bewährungshilfe in Notsituationen, wenn andere Sozialhilfeträger (Sozialamt, Arbeitsamt) ausscheiden oder nicht ausreichend leisten.
- Gewährung von Darlehen und Beihilfen zur Begleichung von Mietrückständen und Stromkosten als Beitrag zur Wohnungserhaltung.
- Unterstützung anderer Organisationen, die mit Straffälligen arbeiten, wie JES, dem Selbsthilfeverein für Drogenabhängige, der Anlaufstelle für Straffälligenhilfe, der JVA Osnabrück und der Bahnhofsmission.
- Förderung von Projektarbeit in vorangenannten Organisationen.
- Unterstützung sozial- und freizeitpädagogischer Maßnahmen
(Besondere Hinweis auf den Verein für betr. Wohnen in der BWH)

Mitte der 90er Jahre erfolgten im Vorstand Überlegungen, wie die Angebotsstruktur der CURA auch aufgrund der veränderten Situation in der Bewährungshilfe und der Straffälligenhilfe allgemein, erweitert werden könnte.
Gründe hierfür sind extrem steigende Belastungszahlen in der Bewährungshilfe (von ca. 55 Personen Anfang 1980 auf ca. 80 Personen in Osnabrück) und eine zunehmende Zahl verarmter, sozial ins Abseits geratener, häufig suchtmittelabhängiger Klienten, wobei immer mehr auch massive Verhaltensstörungen aufweisen.
Auch die in der Gesellschaft zurecht geführte Diskussion um die fehlende bzw. unzureichende Opferhilfe flossen in die Überlegungen mit ein.

Es wurden daraufhin Projekte entwickelt, die einerseits zur Entlastung der Bewährungshilfe beitragen, zum anderen aber auch Möglichkeiten der Schadenswiedergutmachung für die Opfer bieten.
In dieser Zeit wurde auch die Satzung überarbeitet und die Förderung der Bewährungshilfe besonders hervorgehoben.
Im April dieses Jahres konnte die Sozialarbeiterin Frau Wesseln eingestellt werden, die seitdem für die Umsetzung dieser Projekte Pro Arbeit u. Pro Ausgleich zuständig ist.

Worum handelt es sich und was wird dort geleistet?

Bereits seit Jahren verzeichnet die Bewährungshilfe im Landgerichtsbezirk Osnabrück eine stetige Zunahme der Klienten, die aufgrund ihrer Zahlungsunfähigkeit alternativ gemeinnützige Dienste mit zum Teil erheblicher Stundenzahlen ableisten müssen. Hieraus ergeben sich zunehmend Schwierigkeiten hinsichtlich der Koordinierung, Vermittlung und Überwachung durch die Bewährungshilfe.

Cura. e.V. übernimmt die adäquate Vermittlung, Motivationsarbeit, Intervention bei Schwierigkeiten und die Überwachung der gemeinnützigen Dienste und trägt so zur Entlastung der Bewährungshilfe bei. Darüber hinaus bietet sie in diesem Projekt ARBEIT auch Unterstützung bei der Vermittlung und Betreuung in den Fällen an, in denen auf die Bewährungshilfe ansonsten verzichtet werden könnte.

Was ist das Besondere am "Projekt Arbeit"?

Bislang wird die Arbeitsauflage von dem Klientel ausschließlich als negative Sanktion erfahren. Durch eine gezielte Vermittlung unter Beteiligung der Wünsche und Fähigkeiten der Klienten soll die Arbeitsmotivation verbessert werden und die gemeinnützige Arbeit auch als persönlicher Beitrag zum Gemeinwesen erfahrbar sein.

Durch das Projekt Ausgleich sollen zahlungsunfähige StraftäterInnen durch Ableistung gemeinnütziger Dienste Gelegenheit erhalten, ganz oder zumindestens teilweise materielle Schadenswiedergutmachung zu leisten. Für jede erbrachte Arbeitsstunde zahlt die Cura 10.00 DM an das Opfer aus. Die Entschädigungssummen müssen sich allerdings in überschaubarem Rahmen bewegen.

Entschädigt werden Privatpersonen oder gemeinnützige Einrichtungen, die Opfer einer Straftat geworden sind und keine andere finanzielle Hilfe erwarten können.

Angesprochen werden
-Klienten, die eine richterliche Weisung zur Schadenswiedergutmachung erhalten haben und nicht über die notwendigen Mittel verfügen

-Straftäter, die durch die Verrichtung gem.Dienste zur Schadenswiedergutmachung die Einstellung eines gegen sie laufenden Verfahrens erreichen können und

-Personen, denen eine entsprechende Bewährungsauflage erteilt worden ist.

Wenn wir nach nunmehr einem halben Jahr ein erstes Zwischenresümee
ziehen, können wir feststellen, dass das Projekt Arbeit bislang recht gut angelaufen ist. Insgesamt wurden 5800 Sozialstunden der Cura zwecks Zuweisung gem. Dienste übertragen. Erledigt wurden hiervon bislang ca. 1400 Stunden.

Beim Projekt Ausgleich gibt es offensichtlich noch Anlaufschwierigkeiten. Vermutlich ist dies auf den noch zu geringen Bekanntheitsgrad dieses Projektes zurückzuführen. Wir hoffen aber, dass sich dies in nächster Zeit ändern wird und wir auch den Opfern verstärkt unsere Unterstützung anbieten können.

Auch die Cura hat sich auf die neuen Medien eingestellt und ist inzwischen mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten, wo weitere Informationen über den Verein abgerufen werden können.

Was wünschen wir uns für die Zukunft?

Wie eingangs erwähnt, haben sich die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen der Strafffälligen in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert.
Die Cura wird daher zukünftig in der ambulanten Straffälligenhilfe noch mehr gefordert sein, dem entgegenzuwirken.
Darüber hinaus wollen wir auch den Opfern von Straftaten verstärkt unsere Hilfe anbieten.

Wir wünschen uns, dass die begonnenen Projekte im Bereich der Straffälligen und Opferhilfe in der Strafrechtspraxis eine feste Verankerung finden und außer den bestehenden weitere Arbeitsfelder realisiert werden können. Hierbei denken wir an eigene gemeinnützige Beschäftigungsprojekte, die direkt bei der Cura angesiedelt sind. Ein neues Wohngruppenprojekt haben wir auch noch nicht ganz aus den Augen verloren.

Zum Abschluss möchte ich mich im Namen der Cura nochmals bei allen Trägern, Einrichtungen und Institutionen, Spendern, allen Mitgliedern des Vereins, den Kolleginnen und Kollegen der Bewährungshilfe und Frau Wesseln, die uns unterstützt und mit denen wir vertrauensvoll zusammengearbeitet haben, bedanken.

Ein besonderer Dank gilt den Richterinnen u. Richtern, sowie den Staatsanwältinnen und Staatsanwälten, die in der Vergangenheit durch ihre großzügigen Geldbußzuweisungen erst die finanziellen Voraussetzungen für die geleistete Arbeit der Cura geschaffen haben Wir hoffen auch in Zukunft auf ihre Hilfe.

Vielen Dank!